Interreligiöser Dialog

Ruedi Lang, ehemaliger Kirchenpfleger in der Kirchgemeinde Lindau und jetzt in der Erwachsenenbildung aktiv, schreibt:

Mein Name ist Rudolf Lang. Wir, d.h. meine Partnerin Barbara und ich – unsere Kinder Christian und Kathrin sind schon lange ausgeflogen –, wohnen seit 34 Jahren in Tagelswangen. Meine Visitenkarte ist mein Berndeutsch, womit ich bereits verraten habe, wo ich aufgewachsen bin. Nach einem 30jährigen Herumvagabundieren als Linienpilot bei Swissair/Swiss bin ich seit acht Jahren pensioniert.

Im Jahre 1998 fragte mich Marianne Kuhn, die damalige Kirchenpflegepräsidentin, ob ich in die Kirchenpflege gewählt werden möchte, das Amt des Liegenschaften-Verwalters sei vakant. Während acht Jahren erlebte ich eine lehrreiche, interessante und bereichernde Zeit in der Behörde. Einige Highlights aus der Liegenschaften-Verwaltung dieser Periode möchte ich erwähnen:
– Renovation des Innenraums der Kirche
– Verkauf und Überbauung des Bockacher-Landes (acht Parzellen wurden verkauft, die neunte blieb im Eigentum der Kirche, und ich konnte als Bauherrenvertreter den Bau der Einfamilienhäuser mitgestalten)
– Teilrenovation des Innern des Pfarrhauses
– Orgelrenovation

Während meiner Zeit in der Kirchenpflege bildeten wir zweimal eine Pfarrwahlkommission, wobei ich die zweite präsidieren durfte, wo wir unseren jetzigen Pfarrer, Volker Schnitzler, wählten.

In diese Zeit fielen auch die schlimmsten Ereignisse in meiner beruflichen Karriere, der Absturz der Langstreckenmaschine MD11 in Hailfax (ich flog damals als Flugkapitän auf dem selben Typ) und kurz darauf der Niedergang der Swissair. Die Tätigkeit in der Kirchgemeinde half mir, diese schwierige Zeit zu meistern.

Nach meinem Rücktritt nach zwei Legislaturperioden führte ich während weiteren vier Jahren die “Brot für alle”-Gruppe.

Seit 2010 arbeite ich in der Erwachsenenbildung unserer Kirchgemeinde mit. Da unsere Gemeinde relativ klein ist und potente externe Akteure, die wir in der Erwachsenenbildung engagieren können, recht teuer sind, ist es sinnvoll, hier mit Illnau-Effretikon und teilweise auch mit Bülach, wo ich Mitglied einer interreligiösen Arbeitsgruppe bin, zusammenzuarbeiten. Dabei möchte ich auch über die christlichen Religion hinausschauen, wie ich später noch weiter ausführen werde, vor allem während der “Woche der Religionen”, die jedes Jahr anfangs November stattfindet.

Während den letzten zehn Jahren meines Berufslebens beflog ich als Flugkapitän auf Langstreckenmaschinen die ganze Welt und hatte die Gelegenheit, mit vielen Religionen, Ethnien und Gesellschaftmodellen in Kontakt zu kommen. Dies motivierte mich nach der Pensionierung, die in der Fliegerei doch recht früh stattfindet, an der Uni in Zürich das Studium der Religionswissenschaft zu belegen, das ich Ende dieses Jahres abschliessen werde. Die Religionswissenschaft ist das Studium der Aussensicht verschiedener Religionen, im Gegensatz zur Theologie, die das Studium der Innensicht einer Religion beinhaltet. Mein Spezialgebiet ist der interreligiöse Dialog, primär zwischen Christen und Islam. Ich möchte auf niederschwelliger Basis in der Gemeinde und der Schule das gegenseitige Verständnis, die Sicht auf die Gemeinsamkeiten, wie auch die Akzeptanz der Differenzen fördern helfen.

Vielleicht werden wir uns bald einmal an einem Anlass oder bei einer anderen Gelegenheit begegnen?

Ruedi Lang, Freiwilliger in der Erwachsenenbildung in der Kirchgemeinde Lindau

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“Brot für alle”

Minie Storm Le Heux, ein langjähriges Mitglied der “Brot für alle”-Freiwilligengruppe in der Kirchgemeinde Lindau, schreibt:

Ich bin Mitglied der reformierten Kirche und 77 Jahre alt. Früher, als ich noch berufstätig war, habe ich mich auch schon in der Kirche engagiert. Es ist einfach schön, auf diese Art “dazuzugehören”. Und Kirche, das sind wir alle!

Während der Apartheid in Südafrika habe ich mit einer Gruppe dazu kritische Gottesdienste gestaltet und dann auch bei der Gründung eines der ersten Dritte-Welt-Läden (des “Mitenand-Lade”) in Effretikon mitgemacht. [1] In dieser Zeit ist mein Bewusstsein entstanden, dass der Hunger auf der Welt menschengemacht ist und dass wir dafür Veranwortung übernehmen müssen. So bin ich dann später auch in unsere Brot für alle-Gruppe gekommen.

In dieser Gruppe treffen wir, zurzeit acht Mitglieder, uns drei- bis viermal im Jahr und organisieren zusammen die vier verschiedenen Anlässe.

Das sind der Eröffnungsgottesdienst, den wir mitgestalten und in dem wir über das Projekt informieren, das wir in der Kirchgemeinde Lindau jeweils aktuell unterstützen.

Dann der Wähenzmittag, an dem wir die von den Bewohnerinnen und Bewohnern gebackenen süssen und salzigen Wähen verkaufen. Es ist einfach toll, wie viele verschiedene Wähen dabei gespendet werden! Dieses grosse Engagement in der Bevölkerung ist nicht selbstverständlich. Das ist immer ein persönliches Highlight für mich und motiviert mich sehr.

Dann sind wir im Sommer an der Chilbi in Lindau mit einem Verkaufsstand mit Lebensmitteln und Handwerk aus armen Ländern dabei. Dabei kommen immer wieder gute Gespräche zustanden.

Und im Herbst schliesslich findet jeweils der Erntedank-Gottesdienst statt, nach dem viele gespendete Lebensmittel, von Gemüse und Obst zu Brot und anderem, und auch wieder unser Sortiment von fair gehandelten Produkten verkauft werden. Wir haben übrigens einen kleinen “Claro”-Verkaufsladen im Pfarrhaus mit Selbstbedienung. Nach dem Erntedank-Gottesdienst gibt es jeweils auch noch ein von unserer Gruppe gekochtes Essen.

Ab und zu helfe ich ausserdem noch beim “Chilekafi” nach dem Gottesdienst mit.

Ich bin ein kritisches Kirchenmitglied, das durchaus nicht einfach alles annimmt, was mir vorgelegt wird. Es ist aber gut, dabeizusein und meinen Teil beizutragen. Ein Kirchenaustritt würde für mich deshalb nie (!) zur Debatte stehen.

Minie Storm Le Heux, Mitglied der “Brot für alle”-Freiwilligengruppe in der Kirchgemeinde Lindau

[1] Anmerkung von Reto Studer: In diesem Zusammenhang (Apartheid in Südafrika) ist es für Sie, liebe Leserin und lieber Leser, bestimmt interessant zu erfahren, dass die Schreibende gebürtige Niederländerin ist.

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