“Endlich Ferien!”

Der Pfarrer der Kirchgemeinde Lindau, Volker Schnitzler, schreibt:

Wie – und wo – machen Pfarrers Ferien? Doch wohl meist zuhause, weil wir einen wirklich schönen Garten haben?

Mitnichten! Der grosse Garten bringt es mit sich, dass ich oftmals gar nicht in Ruhe ausspannen kann. Sobald ich mich im Liegestuhl gebettet habe, lasse ich den Blick schweifen. Da sehe ich ein Unkraut hier emporwachsen, und dort gehören die Büsche gestutzt. Hier wächst schon wieder der Rasen, dort gehört die Teichpumpe durchgespült. Und vom Stillleben der Gartenhaus-Innereien schweigen wir schon gar.

Im Sommer sorgt bei unseren Gästen – je nach Naturell – für Heiterkeit oder Betroffenheit der Umstand, dass sich neben dem Pfarrgarten eine Sargschreinerei befindet. Sitzt man gemütlich beim Grillieren zusammen, geht dort schon einmal die Tür auf und ein Mitarbeiter trägt einen Sarg für den nächsten Einsatz heraus. Da hat sich schon so mancher Gast der Endlichkeit des Seins erinnert und nachdenklich das blutige Steak betrachtet…

Aber wohin gehen nun Pfarrers in die Ferien? Fernreisen kommen für uns nicht in Frage, schon aus ökologischen Gründen. Dafür haben wir einen grossen Van, der reichlich Platz für eine Ferienausrüstung und ein Zelt bietet. Nicht dass wir in unserer Familie seit Urzeiten überzeugte Adventure-Typen wären. Das Zeltlen haben wir vielmehr der Not gehorchend angefangen. An den sechs predigtfreien Wochenenden, die mir ausserhalb der Ferien zustehen, blieben wir anfangs noch zuhause. Aber weil das Pfarrhaus im eigentlichen Sinne gar keines ist, sondern ein Kirchgemeindehaus, kommen wir auch am freien Wochenende nicht zur Ruhe.

So heisst es gerade in den wärmeren Monaten: Tapetenwechsel! Wir verfügen weder über eine Ferienwohnung noch über einen Goldesel. Bleibt also nur preisgünstiges Camping in Mutter Natur. In den letzten Jahren haben wir das Campieren auch zunehmend in den grossen Ferien praktiziert. Und ehrlich gesagt: ein Pfarrer auf dem Campingplatz sorgt für Gesprächsstoff. Und die Stimmung in rustikaler Runde ist meist lustiger als im Hotel, zumal wenn ich mich mit meinem Beruf oute. Beim Camping klopft man mir schon mal auf die Schulter und sagt “macht nix, bist ja trotzdem ganz o.k.” Im ****Hotel passiert es eher, dass der Gesprächspartner reflexartig meint rechtfertigen zu müssen, aus welchem (guten) Grund er vor zwanzig Jahren aus der Kirche ausgetreten ist.

Manchmal ist es aber überhaupt nicht einfach, überhaupt wegzukommen. Nicht dass ich Mühe hätte, mich aus dem Pfarrbetrieb zu lösen oder vor lauter Telefonieren und Mailverkehr nicht in Ferienstimmung komme. Nein, letztes Jahr passierte es, dass wir unser Auto gar nicht packen konnten. Eigentlich wollten wir die Velos und die Ferienausrüstung Samstagnachmittags verladen, um dann in der Nacht zu starten. Wir hatten nicht kalkuliert, dass am Packtag die Trauung eines auswärtigen Hochzeitspaares stattfand. Die Hochzeitsgesellschaft liess zwei Sattelschlepper-Zugmaschinen vor der Kirche Spalier stehen und richtete auf dem Kirchenparkplatz den Apéro aus. Was Wunder, dass das Pfarrhaus komplett zuparkiert war, und wir unser Auto nicht beladen konnten. Ich lasse es dahin gestellt, ob der bald einsetzende Platzregen ein Gottesurteil war. Jedenfalls verlief sich die Apéro-Gesellschaft in Windeseile und Familie Schnitzler konnte endlich zur ersten Tat der Ferien schreiten.

Volker Schnitzler, Pfarrer der Kirchgemeinde Lindau (v.schnitzler[at]kirche-lindau.ch)

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