Bald noch mehr Kirche

Pia Lienhard, Mitglied der Kirchgemeinde Lindau (und vielleicht demnächst Mitglied der Kirchenpflege), schreibt:

Ich stecke mit meiner Tochter mitten im “Konfirmationsjahr”. Deshalb bin ich stärker als auch schon mit unserer Kirche “konfrontiert”. Aus diesem Grunde habe ich unter anderem auch den Blog von Reto Studer, unserem Lernvikar, verfolgt. Vorneweg möchte ich Reto ein grosses Kompliment aussprechen. Der Blog ist eine gute Sache, mit interessanten und witzigen Beiträgen. Und Reto als Verantwortlicher der Konfirmationsgruppe meiner Tochter macht einen super Job. Dies bestätigt mir meine Tochter jede Woche nach dem Konfunterricht. Und das soll bei den pubertierenden Jugendlichen etwas heissen!

Nun zu mir: Ich bin Pia Lienhard, und wie bereits erwähnt, habe ich eine 15-jährige Tochter. Wir wohnen mit meinem Partner seit 11 Jahren in der Gemeinde.

“In welcher Form bin ich kirchlich engagiert, an welchen Angeboten nimm ich teil, war das schon immer so mit mir und der Kirche?”. Dies sind Fragen, deren Antworten interessieren könnten, meinte Reto. Versuche ich es mal:

Die Kirche und der Glaube waren in meinem Leben immer in irgendwelcher Form präsent.

Leider verlor ich meine Mutter bereits mit 8 Jahren an den Folgen eines Autounfalls. Sie war Katholikin aus der Innerschweiz, und wir wohnten in einer katholischen Gemeinde in St. Gallen. Mein reformierter Vater kam dem Wunsch der Familie meiner Mutter nach und liess sie katholisch an unserem Wohnort beerdigen. Im ersten Jahr danach gingen wir regelmässig in die katholische Kirche. Aus meiner heutigen Sicht eigentlich sehr speziell, da mein Vater gar nicht “christlich” war. Ich als 8-jähriges Mädchen fing aus eigenem Antrieb an, jeden Abend zu beten. An den Inhalt der Gebete kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiss nur noch, dass ich im Gebet immer wieder die Frage stellte, wieso dieses Schicksal ausgerechnet uns – ich habe noch eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder – heimsuchen musste. Ich fand keine treffende Antwort, verlor aber auch den Glauben nicht. Nicht dass ich streng gläubig und jeden Sonntag in der Kirche anzutreffen wäre, aber ich glaube und kann mich mit der Kirche identifizieren.

In den letzten Jahren durfte ich meine eigene Konfirmation, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen in verschiedenen Kirchen miterleben. Wenn ich auch nicht immer jedes Wort des Pfarrers mitverfolgte ;-), fühlte ich mich in den Gottesdiensten doch wohl. Die Stimmung mit dem Orgelspiel in den Kirchen und die Kirche als Raum faszinieren mich.

Zurück zur Gegenwart: Nach einem gemeinsamen Gottesdienst mit meiner Tochter – sie “muss” Punkte für die Konfirmation sammeln – diskutierte ich mit einem Kirchenpflegemitglied über Gott und die Welt. Dabei kamen wir auch auf die Kirchenpflege und die damit verbundenen interessanten Aufgaben zu sprechen. Beim nächsten Zusammentreffen im privaten Rahmen wurde das Gespräch wieder aufgenommen. Die Sache wurde konkret. Die Kirchenpflege Lindau sucht ein neues Mitglied. Nach ausführlichen Gesprächsrunden mit der Präsidentin, Gudrun Mandic, und der abtretenden Kirchenpflegerin entschloss ich mich, die Herausforderung anzunehmen. So: Nun stelle ich mich zur Wahl als neues Kirchenpflegemitglied. Ich freue mich unheimlich, mich tiefer mit dem Thema Kirche auseinandersetzen zu können.

Vielleicht noch zwei, drei Sätze zu: “Was reizt mich an der Kirche, was nervt mich?”. Der Reiz ist: Wie kann man die Bibel und ihre Aussagen in unseren heutigen, modernen Alltag einbringen? Sind die Bibel und die Kirche mit ihrem Glauben überhaupt noch zeitgemäss? Wie können vor allem die Pfarrpersonen die Leute empfangen und die Kirche “attraktiv” machen? Wie können wir die Weltbevölkerung mit ihren verschiedenen Glaubensrichtungen und Ansichten näher zusammenbringen und allfällige Auseinandersetzungen vermeiden? Es nervt mich vor allem der Extremismus. Wieso müssen wir Anschläge unter dem Namen des Allmächtigen, wie er auch immer heissen mag, erdulden? Können wir nicht glauben und glauben lassen? Oder wird hier der Glaube missbraucht? Aber leider sind dies Themen resp. Probleme, die wir in unserer kleinen Kirchgemeinde nicht lösen können…

Ich freue mich auf eine spannende Zukunft.

Herzlichst

Pia Lienhard, Mitglied der Kirchgemeinde Lindau

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Aus dem Ressort “Gottesdienst und Musik”

Der Ressortverantwortliche “Gottesdienst und Musik” der Kirchenpflege in Lindau, Heinrich Heider, schreibt:

Ich bin Jahrgang 1952, verheiratet, und wir haben vier erwachsene Kinder.

Durch meine Eltern und Grosseltern wurde ich zum Glauben an Jesus Christus geführt. Den kirchlichen Unterricht habe ich in Lindau besucht. Seit der Heirat besuche ich regelmässig den Gottesdienst. Ich war 32 Jahre lang in einer Freikirche, seit etwa 2010 wieder in der reformierten Kirchgemeinde Lindau.

Ich bin in der Kirchenpflege, weil es mir nicht egal ist, was in der Kirche geschieht. Zudem gebe ich so der Gemeinschaft etwas zurück, was ich auch von ihr bekomme. Da ich erst seit Mitte 2014 in der Kirchenpflege mitarbeite, kann ich noch nicht allzu viel darüber erzählen. Immerhin aber war ich bereits beteiligt an der Ablösung und der Neueinstellung von Kantor und Organistin.

Heinrich Heider, Ressortverantwortlicher “Gottesdienst und Musik” der Kirchenpflege Lindau (heider[at]kirche-lindau.ch)

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Unsichtbar und unverständlich

Der Pfarrer der Kirchgemeinde Lindau, Volker Schnitzler, schreibt:

“Zwei Dinge hat ein Pfarrer mit dem Heiligen Geist gemeinsam: Unter der Woche ist er unsichtbar, und am Sonntag unverständlich.”

Wie in jedem Witz so steckt auch in diesem ein Körnchen Wahrheit. Nicht unbedingt, dass ich erst am Samstagabend zwischen Sportschau und Abendnachrichten zu arbeiten beginne und mir Gedanken über die Sonntagspredigt mache. Der Wahrheitskrümel in diesem Witz ist eher, dass die Menschen nicht immer wissen, was ein Pfarrer so alles arbeitet.

Am ehesten bekannt sind noch Gottesdienste halten, Ehepaare kirchlich trauen, Kinder taufen, Jugendliche konfirmieren, Verstorbene bestatten. Dazu kommt natürlich noch die Seelsorge, Krankenbesuche zuhause, Spital- und Altersheimbetreuung, Jubilaren- und Elternbesuche. Von Sitzungen und Bürokratie schweigen wir an dieser Stelle.

Weniger bekannt (und bei vielen Pfarrkollege/inn/en immer unbeliebter) ist das Zusammenleben mit den Menschen, das zu meinem Da-Sein gehört. Würde ich nicht als Pfarrer, sondern als “normaler” Familienvater in Lindau leben, der jeden Tag friedlich und unspektakulär zu seinem Arbeitsplatz in der Zürcher City pendelt, müsste ich auch nicht darauf achten, keinen grusslos im Bus zu übersehen. Es käme kein Verein auf die Idee, mich wegen der Moderation eines Jahreskonzerts oder einer Abendunterhaltung anzufragen. Und ich müsste mir nicht überlegen, ob ich in der Grafstaler Badi in knapper Badehose oder doch eher in knielangen Hawaii-Shorts gewandet erscheine.

Auch bin ich durchaus als Abwart unterwegs. Immer mal wieder klingelt es freitagsabends im Pfarrhaus. Ein junges Pärchen von auswärts steht vor der Tür. Man möchte sich die Kirche anschauen, in der man demnächst heirate. Und diese sei eben verschlossen. Ach, es gäbe noch die Sigristin? Man hätte mit dieser vielleicht einen Termin…? Ja klar, jetzt wo Sie das sagen… Aber wenn man doch schon mal da ist… Könnten Sie nicht so nett sein, wir wollen ja noch in den Ausgang…?

In der Kerzenzieh-Saison habe ich mich sogar schon als Mitarbeiter des Werkaussendiensts der Einwohnergemeinde betätigt. Eines Abends während des Kerzenziehens kam eine Dame zu mir hoch und berichtete, ein finsterer Geselle treibe sich in Kaffeestube und Keller herum. Und würde lauthals in einer unverständlichen Sprache fluchen. (Die Damen hatten schon die Kasse versteckt!) Ich kam herunter und versuchte mit dem Mann zu reden. Es war ein Obdachloser aus Polen, der kein Wort Deutsch oder Englisch sprach. Mit meinen paar Brocken Russischkenntnissen erfuhr ich dann von ihm, dass er mittags auf dem Lindauer Friedhof seinen Rucksack im WC deponiert hatte und anschliessend auf Betteltour gegangen war. Als er seine Sachen wieder holen wollte – war das WC abgeschlossen! Der Werksaussendienst macht früher Feierabend als ein Landstreicher!

Fieberhaft überlegte ich, was zu tun sei. Der Mann war bereits äusserst aggressiv, und das Kerzenziehen wollte um 20 Uhr schliessen. Er machte keine Anstalten, das Haus zu verlassen, und ihn auf den nächsten Morgen zu vertrösten, wenn das Friedhofs-WC wieder öffnete, war utopisch. Wie und wo sollte der Mann ohne Schlafsack im nasskalten November übernachten?

Da hatte ich eine Idee: Wäre es möglich, dass der Schlüssel, den ich für die Aufbahrungshalle im Friedhof habe, auch für die WC-Türe passt? Gesagt, getan, wir gingen los. Mir war ehrlich gesagt nicht ganz wohl, und stockdunkel war es da hinten auch. Wie würde der Bursche reagieren, wenn der Schlüssel nicht passt? Ob es mir gelänge, ihn in die Notschlafstelle zu bringen? Gottlob funktionierte der Schlüssel, und der Mann konnte sein Hab und Gut übernehmen. Ich weiss nicht, wer erleichterter war, er oder ich! Nun gab ich ihm noch die Adresse und den Plan zur Notschlafstelle mit, den ich für solche Fälle parat habe. Dann begleitete ich ihn zum Bus, kaufte ihm ein Ticket und alle waren zufrieden.

Wenn es Ihnen also unverständlich sein sollte, dass der Pfarrer wieder einmal unsichtbar ist: Wer weiss – vielleicht schliesst er gerade das Friedhofs-WC auf…

Volker Schnitzler, Pfarrer der Kirchgemeinde Lindau (v.schnitzler[at]kirche-lindau.ch)

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“Fiire mit de Chline” – Gottesdienst für unsere Jüngsten

Yvonne Meitner, bis zu den Sommerferien als Pfarrerin in der Kirchgemeinde Lindau, schreibt:

Wie viele Kinder würden wohl bei meinem ersten “Fiire mit de Chliine” am 11. April in der Kirche Lindau dabei sein?

Das Team (Sonja Fernandes, Natasa Zizakov) war ebenso gespannt wie ich, und so hat es uns gefreut, dass kurz vor 10 Uhr doch ein paar Eltern mit ihren Kindern in der Kirche eintrafen. Ein paar der Kinder waren zum ersten Mal in einer Kirche und auch beim ersten “Fiire mit de Chliine”: kein Wunder inspizierten sie vor und nach dem Fiire die Kirche ausgiebig. Bei einem Orgelspiel unserer Organistin konnten sie zur Ruhe kommen und waren nachher zum Mitsingen des Lieds “Hööch im Chileturm” (immer 1. Lied beim “Fiire”) zusammen mit Bewegungen aufgefordert. Selbstverständlich machten auch ihre Eltern immer mit.

Später erzählte das Team die Bilderbuchgeschichte “Wen hast du am allerliebsten?” mit einer Plüschbärenfamilie.

Nach einer kurzen Vertiefung zur Geschichte, zwei weiteren Liedern mit Bewegungen, Mitteilungen und Segen war das “Fiire” auch schon wieder zu Ende. Beim anschliessenden Zusammensein bei Zopf und Sirup (für die Erwachsenen gab es Kaffee und Mineralwasser) meinten die grösseren Kinder, die Geschichte hätte ruhig länger sein dürfen, aber für die Jüngeren war sie gerade richtig.

Schön wäre es, wenn beim nächsten “Fiire mit de Chline” am Mittwoch, 10. Juni, um 10 Uhr in der Kirche Lindau, alle Sitzkissen besetzt wären.

Alle Familien mit Kindern von drei Jahren bis Kindergartenalter sind herzlich dazu eingeladen!

Yvonne Meitner, Pfarrerin in der Kirchgemeinde Lindau

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Aus der Kirchenmusik

Die Organistin und Chorleiterin der Kirchgemeinde Lindau, Natasa Zizakov, schreibt:

Seit Februar 2015 bin ich Organistin und Chorleiterin in Lindau. Eine wunderschöne, helle Kirche und eine Orgel, klanglich und optisch sehr harmonisch aufeinander abgestimmt, laden zum Aufatmen, Nachdenken oder zum Singen, Spielen und Lauschen ein.

Eine anspruchsvolle Zeit lieht hinter mir, samt Wohnungssuche, Umzug und Kantonswechsel. Sehr dankbar denke ich an freundliche und hilfsbereite Begegnungen mit der Kirchenpflege-Präsidentin, Frau Mandic, mit Pfarrer Schnitzler, Kirchenpflege-Musikkommission und weiteren Kirchgemeindemitgliedern und -mitarbeitern. Inzwischen habe ich schon viele andere Menschen kennengelernt. So viele Informationen muss ich noch sortieren, abstimmen und verarbeiten…

Ich bin sehr gespannt darauf, was sich hier alles musikalisch verwirklichen lässt. Wenn ich auf der Empore die Orgelpfeifen zum Singen und Tanzen bringe, höre ich mit viel Freude den schönen, kräftigen Gemeindegesang, manchmal sogar mit frei improvisierter Oberstimme, wie er, aus akustischen Gründen etwas verspätet, zu meinen Ohren zurückschwebt. Da höre ich schon viele gute Stimmen für einen zukünftigen Chor heraus!

Einige mögen es gemütlicher und geniessen den Klang, der im Kirchenraum etwas länger nachklingt. Da tut es mir manchmal leid, dass ich mein eigenes Tempo durchsetzen muss, damit allen genug Atem für die nächste Zeile bleibt ☺

Meine Kollegin Gret Hüni spielte am Karfreitag die Orgel in Lindau, weil ich gleichzeitig den Kirchenchor Rafzerfeld im Gottesdienst in der Kirche Wasterkingen leitete. Die Chorproben wie auch das Instrument- oder Gesang-Üben faszinieren mich immer wieder: Nichts bleibt so, wie es im letzten Moment war, alles ist und bleibt in Bewegung, Musik entsteht und verändert sich dauerhaft, und es klingt immer anders und neu! Für schwierige Stellen im “Crucifixus” von Antonio Lotti werde ich nächstes mal eine Übe-MP3-Datei für fleissige Hauschor-Sänger aufnehmen.

Für den Ostersonntag hatte ich die Geigerin Johanna Pfister als Solistin eingeladen. Wir kannten uns nicht, aber ich war doch sehr zuversichtlich, dass wir wunderbar zusammen musizieren können. Sie ist Konzertmeisterin des Streichensembles am Dom St.Gallen, und die Karwoche war mit Proben schon überfüllt. So blieb uns allein die Möglichkeit, am Ostersonntag direkt vor dem Gottesdienst zu proben. Die Noten hatte sie mir bereits vorab geschickt. Um 8 Uhr trafen wir uns in der Kirche, beide 150% vorbereitet, damit wir genug flexibel aufeinander reagieren können. Kleine “Pannen” sind bei den vielen komplexen Abläufen immer möglich. Es ist eben “live”… Zudem hatte ich ein paar Änderungswünsche bei einem Stück, damit Geige und Orgel mehr Musikdialog führen können, und es klappte sehr gut! Da wir eher meditative Stücke spielten, wählte ich noch eine rassige Orgeltoccata für den “Ausgang”, die leise beginnt und wie eine Rakete in rasendem Tempo und crescendo wie ein Wunder “abhebt”. Noch kurz vor dem Gottesdienst eilte Reto Studer auf die Empore, um uns zu helfen: ein Fotoshooting für sein Blog. Haben wir auch noch rechtzeitig geschafft:

A propos “Ausgangsstück”: Alle blieben sitzen, und der spontane Applaus am Ende des Gottesdienstes freute uns beide sehr! Johanna fuhr dann gleich weiter nach St. Gallen: zur Vorprobe und zum Nachmittagskonzert am Dom.

Für einen Taufgottesdienst hat Claire Schmid eine Bearbeitung des Liedes “Bi de Taufi…” für Klavier und Geige des Grütener Organisten und Komponisten Dieter Fuchs vorgeschlagen. Es klingt schön und erfrischend groovig. Wir treffen uns bald, um es durchzuspielen. Am 19. April ist der nächste Taufgottesdienst, und so gibt es schon bald Gelegenheit, das bekannte Lied in neuem Gewand zu präsentieren. Claire ist eine sehr gute Laienmusikerin, singt, spielt Blockflöten und Geige, hilft und macht unermüdlich mit. Sie hat sogar eine Blockflötenschule herausgegeben. Ich freue mich riesig auf die baldige Probe mit ihr.

Im Mai dann gastieren der Musikverein Kemptthal (Muttertag) und als Solisten unser Diakon Severin Frenzel, Cello (Himmelfahrt), und Vitalij Vosnjak, Saxophon (Konfirmationen), bei uns. Nächste Woche werde ich zum ersten Mal mit den Unti-Kindern bei unserer Katechetin Susanne Schnitzler singen.

Am Sonntag, den 5. Juli, lade ich alle Interessierten herzlich zu einem Offenen Singen ein.

Eine provisorische Planung für das ganze Jahr 2015 steht schon, und ich freue mich auf meine vielfältigen Musikaufgaben in Lindau.

Natasa Zizakov, Organistin und Chorleiterin der Kirchgemeinde Lindau (zizakov[at]kirche-lindau.ch)

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Unterwegs ins Pfarramt

Der ehemalige Pfarr-Praktikant in der Kirchgemeinde Lindau, “Noch-Student” und angehende Pfarrer Matthias Dübendorfer schreibt:

“Was, über 50 und immer noch Student?”

Ganz so offen wird mir diese Frage zwar selten gestellt. Und doch habe ich oft das Gefühl, dass sich mein Gegenüber genau dies fragt, wenn ich mich mit meinen angegrauten Schläfen und der nicht mehr ganz faltenfreien Haut als Theologiestudent vorstelle. Oft gebe ich die Antwort ungefragt gleich selbst: Nein, ich bin nicht immer noch Student, sondern wieder Student. Ich habe mich nach zwanzig Jahren Berufstätigkeit dazu entschieden, noch einmal etwas Neues zu wagen und ein Theologiestudium in Angriff zu nehmen.

Aber wie kommt einer dazu, im besten Alter seinen Job an den Nagel zu hängen und wieder die Schulbank zu drücken?

Nach meinem Erststudium in Mathematik und Physik zog es mich in die Informatik. Damals, in den späten Achtzigerjahren, herrschte in der “elektronischen Datenverarbeitung” eine Art Goldgräberstimmung. Menschen mit einem Flair für Logik und abstraktes Denken waren sehr gefragt, um die Programme für die rasant wachsenden Computersysteme von Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen zu schreiben. So liess ich mich von einer Bank als Analytiker-Programmierer einstellen. Mit den Jahren bildete ich mich weiter, spezialisierte mich auf Datenbanksysteme und arbeitete schliesslich als Consultant für ein IT-Beratungsunternehmen.

So weit, so gut, möchte man meinen. Doch mit der Zeit merkte ich, das mir das hektische Erneuerungstempo der Informatik immer sinnleerer vorkam: “Plus ça change, plus c’est la même chose.” Zudem wurde mir die Finanzwelt immer fremder, je näher ich sie kennenlernte. Eine Neuausrichtung drängte sich also auf. Doch in welche Richtung? Um diese Frage zu klären, nahm ich eine Laufbahnberatung in Anspruch. Nach einigen Beratungssitzungen und dem Ausfüllen vieler Fragebögen ging es an die Auswertung. Aus der langen Liste an Berufen, die meinem Profil entsprächen, stach mir sofort einer ins Auge: “Pfarrer/Pastor”. Und mir war – zu meiner eigenen Überraschung – sofort klar: Das ist es! Aber so abwegig, wie sie mir im ersten Moment vorkam, war die Idee beim zweiten Hinsehen dann doch nicht. Ich war in den Jahren zuvor immer mehr in unsere Kirchgemeinde hineingewachsen, hatte mich aktiv zu beteiligen begonnen und Freiwilligenarbeit übernommen. Weshalb also das Interesse nicht zum Beruf machen?

Nur: Wie wird man überhaupt Pfarrer?

Die Ausbildung zum Pfarrer ruht auf zwei Standbeinen. Das eine ist ein zehnsemestriges Theologiestudium an der Universität, das mit dem Master in Theologie abgeschlossen wird. Das andere Standbein ist die kirchliche Ausbildung, die teilweise schon parallel zum Studium absolviert wird. Sie beginnt mit einer Reihe von Eignungsabklärungen, den sogenannten KEA-Explorationen. Darauf folgt zwischen dem Bachelor- und dem Masterstudium das Ekklesiologisch-praktische Semester (EPS), in dem die Studierenden erste Praxiserfahrungen sammeln können. Dieses Praktikumssemester absolvierte ich in Lindau. Im EPS sollen nicht nur Erfahrungen im engeren kirchlichen Bereich gesammelt werden, sondern es wird auch das weitere Umfeld der Kirchgemeinde einbezogen. So erteilte ich während des EPS Unterricht an der Sekundarschule Grafstal und arbeitete als Hilfspfleger im Alterszentrum Bruggwiesen. Abgeschlossen wird die kirchliche Ausbildung durch das Lernvikariat, ein einjähriges pfarramtliches Praktikum, in dem der Kandidat nach dem universitären Masterabschluss sein berufliches Handwerkszeug erwirbt und schliesslich seine praktische Prüfung ablegt. In Lindau ist derzeit Reto Studer als Lernvikar tätig.

Ich selbst stehe nun kurz vor dem Abschluss meines Masterstudiums. Das Lernvikariat werde ich ab August an der Stadtkirche Winterthur absolvieren. Leider muss das Lernvikariat in einer anderen als der EPS-Gemeinde stattfinden, sonst wäre ich sehr gerne wieder nach Lindau gekommen.

Trotzdem bleibe ich noch mit Lindau verbunden:

In meiner Masterarbeit beschäftige ich mit dem Thema “Mundart und Standardsprache im Gottesdienst”. Dazu halte ich Gottesdienste in verschiedenen Gemeinden und befrage die Teilnehmer zu ihren Eindrücken. Für zwei dieser Gottesdienste darf ich die Gastfreundschaft der Kirchgemeinde Lindau in Anspruch nehmen, der zweite davon wird diesen Sonntag, am 12.4., stattfinden. Ich würde mich natürlich freuen, Sie zu diesem Gottesdienst und zum anschliessenden Nachgespräch begrüssen zu dürfen!

Matthias Dübendorfer, angehender Pfarrer

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“Brot für alle”

Minie Storm Le Heux, ein langjähriges Mitglied der “Brot für alle”-Freiwilligengruppe in der Kirchgemeinde Lindau, schreibt:

Ich bin Mitglied der reformierten Kirche und 77 Jahre alt. Früher, als ich noch berufstätig war, habe ich mich auch schon in der Kirche engagiert. Es ist einfach schön, auf diese Art “dazuzugehören”. Und Kirche, das sind wir alle!

Während der Apartheid in Südafrika habe ich mit einer Gruppe dazu kritische Gottesdienste gestaltet und dann auch bei der Gründung eines der ersten Dritte-Welt-Läden (des “Mitenand-Lade”) in Effretikon mitgemacht. [1] In dieser Zeit ist mein Bewusstsein entstanden, dass der Hunger auf der Welt menschengemacht ist und dass wir dafür Veranwortung übernehmen müssen. So bin ich dann später auch in unsere Brot für alle-Gruppe gekommen.

In dieser Gruppe treffen wir, zurzeit acht Mitglieder, uns drei- bis viermal im Jahr und organisieren zusammen die vier verschiedenen Anlässe.

Das sind der Eröffnungsgottesdienst, den wir mitgestalten und in dem wir über das Projekt informieren, das wir in der Kirchgemeinde Lindau jeweils aktuell unterstützen.

Dann der Wähenzmittag, an dem wir die von den Bewohnerinnen und Bewohnern gebackenen süssen und salzigen Wähen verkaufen. Es ist einfach toll, wie viele verschiedene Wähen dabei gespendet werden! Dieses grosse Engagement in der Bevölkerung ist nicht selbstverständlich. Das ist immer ein persönliches Highlight für mich und motiviert mich sehr.

Dann sind wir im Sommer an der Chilbi in Lindau mit einem Verkaufsstand mit Lebensmitteln und Handwerk aus armen Ländern dabei. Dabei kommen immer wieder gute Gespräche zustanden.

Und im Herbst schliesslich findet jeweils der Erntedank-Gottesdienst statt, nach dem viele gespendete Lebensmittel, von Gemüse und Obst zu Brot und anderem, und auch wieder unser Sortiment von fair gehandelten Produkten verkauft werden. Wir haben übrigens einen kleinen “Claro”-Verkaufsladen im Pfarrhaus mit Selbstbedienung. Nach dem Erntedank-Gottesdienst gibt es jeweils auch noch ein von unserer Gruppe gekochtes Essen.

Ab und zu helfe ich ausserdem noch beim “Chilekafi” nach dem Gottesdienst mit.

Ich bin ein kritisches Kirchenmitglied, das durchaus nicht einfach alles annimmt, was mir vorgelegt wird. Es ist aber gut, dabeizusein und meinen Teil beizutragen. Ein Kirchenaustritt würde für mich deshalb nie (!) zur Debatte stehen.

Minie Storm Le Heux, Mitglied der “Brot für alle”-Freiwilligengruppe in der Kirchgemeinde Lindau

[1] Anmerkung von Reto Studer: In diesem Zusammenhang (Apartheid in Südafrika) ist es für Sie, liebe Leserin und lieber Leser, bestimmt interessant zu erfahren, dass die Schreibende gebürtige Niederländerin ist.

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