Bald noch mehr Kirche

Pia Lienhard, Mitglied der Kirchgemeinde Lindau (und vielleicht demnächst Mitglied der Kirchenpflege), schreibt:

Ich stecke mit meiner Tochter mitten im “Konfirmationsjahr”. Deshalb bin ich stärker als auch schon mit unserer Kirche “konfrontiert”. Aus diesem Grunde habe ich unter anderem auch den Blog von Reto Studer, unserem Lernvikar, verfolgt. Vorneweg möchte ich Reto ein grosses Kompliment aussprechen. Der Blog ist eine gute Sache, mit interessanten und witzigen Beiträgen. Und Reto als Verantwortlicher der Konfirmationsgruppe meiner Tochter macht einen super Job. Dies bestätigt mir meine Tochter jede Woche nach dem Konfunterricht. Und das soll bei den pubertierenden Jugendlichen etwas heissen!

Nun zu mir: Ich bin Pia Lienhard, und wie bereits erwähnt, habe ich eine 15-jährige Tochter. Wir wohnen mit meinem Partner seit 11 Jahren in der Gemeinde.

“In welcher Form bin ich kirchlich engagiert, an welchen Angeboten nimm ich teil, war das schon immer so mit mir und der Kirche?”. Dies sind Fragen, deren Antworten interessieren könnten, meinte Reto. Versuche ich es mal:

Die Kirche und der Glaube waren in meinem Leben immer in irgendwelcher Form präsent.

Leider verlor ich meine Mutter bereits mit 8 Jahren an den Folgen eines Autounfalls. Sie war Katholikin aus der Innerschweiz, und wir wohnten in einer katholischen Gemeinde in St. Gallen. Mein reformierter Vater kam dem Wunsch der Familie meiner Mutter nach und liess sie katholisch an unserem Wohnort beerdigen. Im ersten Jahr danach gingen wir regelmässig in die katholische Kirche. Aus meiner heutigen Sicht eigentlich sehr speziell, da mein Vater gar nicht “christlich” war. Ich als 8-jähriges Mädchen fing aus eigenem Antrieb an, jeden Abend zu beten. An den Inhalt der Gebete kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiss nur noch, dass ich im Gebet immer wieder die Frage stellte, wieso dieses Schicksal ausgerechnet uns – ich habe noch eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder – heimsuchen musste. Ich fand keine treffende Antwort, verlor aber auch den Glauben nicht. Nicht dass ich streng gläubig und jeden Sonntag in der Kirche anzutreffen wäre, aber ich glaube und kann mich mit der Kirche identifizieren.

In den letzten Jahren durfte ich meine eigene Konfirmation, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen in verschiedenen Kirchen miterleben. Wenn ich auch nicht immer jedes Wort des Pfarrers mitverfolgte ;-), fühlte ich mich in den Gottesdiensten doch wohl. Die Stimmung mit dem Orgelspiel in den Kirchen und die Kirche als Raum faszinieren mich.

Zurück zur Gegenwart: Nach einem gemeinsamen Gottesdienst mit meiner Tochter – sie “muss” Punkte für die Konfirmation sammeln – diskutierte ich mit einem Kirchenpflegemitglied über Gott und die Welt. Dabei kamen wir auch auf die Kirchenpflege und die damit verbundenen interessanten Aufgaben zu sprechen. Beim nächsten Zusammentreffen im privaten Rahmen wurde das Gespräch wieder aufgenommen. Die Sache wurde konkret. Die Kirchenpflege Lindau sucht ein neues Mitglied. Nach ausführlichen Gesprächsrunden mit der Präsidentin, Gudrun Mandic, und der abtretenden Kirchenpflegerin entschloss ich mich, die Herausforderung anzunehmen. So: Nun stelle ich mich zur Wahl als neues Kirchenpflegemitglied. Ich freue mich unheimlich, mich tiefer mit dem Thema Kirche auseinandersetzen zu können.

Vielleicht noch zwei, drei Sätze zu: “Was reizt mich an der Kirche, was nervt mich?”. Der Reiz ist: Wie kann man die Bibel und ihre Aussagen in unseren heutigen, modernen Alltag einbringen? Sind die Bibel und die Kirche mit ihrem Glauben überhaupt noch zeitgemäss? Wie können vor allem die Pfarrpersonen die Leute empfangen und die Kirche “attraktiv” machen? Wie können wir die Weltbevölkerung mit ihren verschiedenen Glaubensrichtungen und Ansichten näher zusammenbringen und allfällige Auseinandersetzungen vermeiden? Es nervt mich vor allem der Extremismus. Wieso müssen wir Anschläge unter dem Namen des Allmächtigen, wie er auch immer heissen mag, erdulden? Können wir nicht glauben und glauben lassen? Oder wird hier der Glaube missbraucht? Aber leider sind dies Themen resp. Probleme, die wir in unserer kleinen Kirchgemeinde nicht lösen können…

Ich freue mich auf eine spannende Zukunft.

Herzlichst

Pia Lienhard, Mitglied der Kirchgemeinde Lindau

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An den Wendepunkten

Der Lernvikar in der Kirchgemeinde Lindau, Reto Studer, schreibt:

Was “Kirche ist…” – wenn ich auf meine Woche zurückblicke, so komme ich für mich zum Schluss: Kirche ist die pure Vielfalt. Ja – genau so vielfältig wie das Leben:

Am Dienstag durfte ich eine Beisetzung gestalten.
Am Donnerstag begannen wir in “meiner” Konfirmanden-Gruppe, die Konfirmation zu planen.
Heute Samstag zelebriere ich eine Trauung.
Und morgen Sonntag darf ich einen Gottesdienst mit drei Taufen leiten und feiern.

An diesen ganz unterschiedlichen Eck- und Wendepunkten im Leben tätig sein und Menschen begleiten zu dürfen, ist für mich sicher eines der ganz grossen Privilegien im Pfarramt!

Und alle diese Tätigkeiten, alle diese Kasualien bedeuten, hinter den Kulissen, natürlich auch: zahlreiche und v.a. bisweilen sehr persönliche Gespräche im Vorfeld (mit den Hinterbliebenen, den Konfirmandinnen und Konfirmanden, dem Brautpaar, den Tauffamilien – im Lauf eines Tages bunt durcheinandergemischt [1]) und die seriöse, sensible Vorbereitung dessen, was in der konkreten Situation angemessen ist und vom Gegenüber erwartet wird. Für mich als “Pfarrer-Lehrling” ist dies eine grosse Herausforderung – ich nehme aber an und hoffe auch, dass es das auch bleibt.

Die genannten Tätigkeiten und Anlässe, und dazu noch die Leitung dieses Blog-Projekts, sind in dieser sowie der letzten Woche also zusammengekommen – und so habe ich nun wirklich das Gefühl, ich hätte einen guten Eindruck davon, was das heisst: Pfarrer sein.

Was soll ich sagen? Zeitlich passt das ganz gut! In der kommenden Woche werde ich nämlich meinen Vikariatsleiter, Pfarrer Volker Schnitzler, vertreten und also für sämtliche pfarramtlichen Belange in der Kirchgemeinde zuständig sein.

Reto Studer, Lernvikar in der Kirchgemeinde Lindau (studer[at]kirche-lindau.ch)

[1] Da ist es dann keine Überraschung, dass ich heute früh, ein paar Stunden vor der Trauung, feststellte, dass ich im Skript einmal versehentlich vom “Taufspruch” rede…

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Über Umwege ins Lernvikariat

Der Lernvikar in der Kirchgemeinde Lindau, Reto Studer, schreibt:

Was bei mir in der Taufe, in der Sonntagschule und in der Konfirmation gesät wurde, brauchte viel Zeit zum Reifen. Ich habe zwar schon immer viel und gerne über das Leben und den Tod und in diesem Zusammenhang auch über Glaubensfragen nachgedacht, dennoch war für mich direkt nach der Matura das Theologiestudium keine Option. Interessanterweise war ich aber in Dübendorf, wo ich aufgewachsen bin, einige Jahre im Ten Sing und engagierte mich da auch recht stark. An diese Zeit habe ich nur schöne Erinnerungen! Gegenüber der Kirche hatte ich also nie Berührungsängste, und meine Erfahrungen mit ihr waren durchwegs positiv.

Aber eben: Nach der Matura studierte ich dann zunächst nicht Theologie, sondern eine bunte Mischung anderer Fächer: Publizistikwissenschaft, Staatsrecht und Geschichte. Nach dem Abschluss war ich drei Jahre lang in der Managementberatung tätig, genauer: im Headhunting. Dort durfte ich an vorderster Front an internationalen Suchmandaten mitarbeiten, v.a. innerhalb der Finanzbranche. Das war eine sehr lehrreiche Zeit mit vielen tollen Gesprächen, und ich hätte mir gut vorstellen können, damit noch lange weiterzumachen. Allerdings begann ich mich nun mehr und mehr für theologische Fragen zu interessieren. So stellte sich mir, allmählich auf den 30. Geburtstag zugehend, die Frage: “Muss” es wirklich gleich noch einmal ein ganzes Studium sein – oder reicht es nicht, Theologie als Hobby, neben der Arbeit, zu betreiben? Nach längerem Abwägen entschied ich mich dazu, an die Uni zurückzugehen. Ernsthaft bereit habe ich das nie.

Auch das Theologiestudium habe ich nun abgeschlossen, im letzten Sommer war es so weit. Seither (und noch bis Ende Juli) bin ich jetzt als Lernvikar – man könnte sagen: als “Pfarrer-Lehrling” – in der Kirchgemeinde Lindau unterwegs. Hier bekomme ich unter den Fittichen und an der Seite eines erfahrenen Pfarrers, Volker Schnitzler, praktische Einblicke ins Pfarramt. Und dorthin zieht es mich auch.

Eine Prüfung habe ich bereits bestanden (Unterricht bei “meiner” Gruppe von Konfirmandinnen und Konfirmanden – ein Traum!), drei Prüfungen stehen aber noch aus: in den Bereichen Gottesdienst, Seelsorge und Gemeindeleitung. Wenn alles klappt, werde ich im August ordiniert, d.h. zum Pfarrdienst zugelassen. Und das sollte auch besser klappen: Meine Frau (die gleichzeitig wie ich, aber natürlich in einer anderen Kirchgemeinde das Lernvikariat absolviert) und ich haben unsere Wahl nämlich bereits hinter uns: Uns zieht es im Sommer in den Kanton Aargau, in die Kirchgemeinde Kelleramt.

Reto Studer, Lernvikar in der Kirchgemeinde Lindau (studer[at]kirche-lindau.ch)

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