Für den Fall der Fälle

Die Kasual-Organistin der Kirchgemeinde Lindau, Martina Brunner, schreibt:

“Kasual-Organistin”… Das tönt ja ganz unmenschlich. Ist es aber nicht!

Gut: ich stelle mich kurz vor. Ich heisse Martina Brunner und bin seit 33 Jahren verheiratet mit Thomas (wir lernten uns in der Lehrerausbildung kennen). Wir haben drei erwachsene Söhne: 28, 26 und 20 Jahre alt. Zum Orgelspiel kam ich mit etwa 19 Jahren, nach neun Jahren Klavierunterricht.

Lindau brauchte eine Organistin unter der Woche, eben im Falle eines Falles… wenn der Kasus – “Fall” – eintritt, dass jemand stirbt oder eine Hochzeit anmeldet (man spricht deshalb auch von “Kasualien”).

Und die “Fälle” könnten nicht verschiedener sein: Die Trauerfamilie braucht Ruhe, Trost und Ermutigung durch die Musik, das Hochzeitspaar wünscht Freude, Glanz und Pomp. Ich lasse mich gern auf diese Feiern ein, und ich glaube, in der Trauer ist man besonders empfänglich für wohltuende Musik.

Sagen Sie mir ruhig mal “grüezi”, wenn Sie mich an einer Beerdigung oder einer Hochzeit sehen. Ich bin dann an der Orgel oder aber beim Wasserflasche-Füllen anzutreffen…

Martina Brunner, Kasual-Organistin der Kirchgemeinde Lindau

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Aus dem Ressort “Gottesdienst und Musik”

Der Ressortverantwortliche “Gottesdienst und Musik” der Kirchenpflege in Lindau, Heinrich Heider, schreibt:

Ich bin Jahrgang 1952, verheiratet, und wir haben vier erwachsene Kinder.

Durch meine Eltern und Grosseltern wurde ich zum Glauben an Jesus Christus geführt. Den kirchlichen Unterricht habe ich in Lindau besucht. Seit der Heirat besuche ich regelmässig den Gottesdienst. Ich war 32 Jahre lang in einer Freikirche, seit etwa 2010 wieder in der reformierten Kirchgemeinde Lindau.

Ich bin in der Kirchenpflege, weil es mir nicht egal ist, was in der Kirche geschieht. Zudem gebe ich so der Gemeinschaft etwas zurück, was ich auch von ihr bekomme. Da ich erst seit Mitte 2014 in der Kirchenpflege mitarbeite, kann ich noch nicht allzu viel darüber erzählen. Immerhin aber war ich bereits beteiligt an der Ablösung und der Neueinstellung von Kantor und Organistin.

Heinrich Heider, Ressortverantwortlicher “Gottesdienst und Musik” der Kirchenpflege Lindau (heider[at]kirche-lindau.ch)

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Aus der Kirchenmusik

Die Organistin und Chorleiterin der Kirchgemeinde Lindau, Natasa Zizakov, schreibt:

Seit Februar 2015 bin ich Organistin und Chorleiterin in Lindau. Eine wunderschöne, helle Kirche und eine Orgel, klanglich und optisch sehr harmonisch aufeinander abgestimmt, laden zum Aufatmen, Nachdenken oder zum Singen, Spielen und Lauschen ein.

Eine anspruchsvolle Zeit lieht hinter mir, samt Wohnungssuche, Umzug und Kantonswechsel. Sehr dankbar denke ich an freundliche und hilfsbereite Begegnungen mit der Kirchenpflege-Präsidentin, Frau Mandic, mit Pfarrer Schnitzler, Kirchenpflege-Musikkommission und weiteren Kirchgemeindemitgliedern und -mitarbeitern. Inzwischen habe ich schon viele andere Menschen kennengelernt. So viele Informationen muss ich noch sortieren, abstimmen und verarbeiten…

Ich bin sehr gespannt darauf, was sich hier alles musikalisch verwirklichen lässt. Wenn ich auf der Empore die Orgelpfeifen zum Singen und Tanzen bringe, höre ich mit viel Freude den schönen, kräftigen Gemeindegesang, manchmal sogar mit frei improvisierter Oberstimme, wie er, aus akustischen Gründen etwas verspätet, zu meinen Ohren zurückschwebt. Da höre ich schon viele gute Stimmen für einen zukünftigen Chor heraus!

Einige mögen es gemütlicher und geniessen den Klang, der im Kirchenraum etwas länger nachklingt. Da tut es mir manchmal leid, dass ich mein eigenes Tempo durchsetzen muss, damit allen genug Atem für die nächste Zeile bleibt ☺

Meine Kollegin Gret Hüni spielte am Karfreitag die Orgel in Lindau, weil ich gleichzeitig den Kirchenchor Rafzerfeld im Gottesdienst in der Kirche Wasterkingen leitete. Die Chorproben wie auch das Instrument- oder Gesang-Üben faszinieren mich immer wieder: Nichts bleibt so, wie es im letzten Moment war, alles ist und bleibt in Bewegung, Musik entsteht und verändert sich dauerhaft, und es klingt immer anders und neu! Für schwierige Stellen im “Crucifixus” von Antonio Lotti werde ich nächstes mal eine Übe-MP3-Datei für fleissige Hauschor-Sänger aufnehmen.

Für den Ostersonntag hatte ich die Geigerin Johanna Pfister als Solistin eingeladen. Wir kannten uns nicht, aber ich war doch sehr zuversichtlich, dass wir wunderbar zusammen musizieren können. Sie ist Konzertmeisterin des Streichensembles am Dom St.Gallen, und die Karwoche war mit Proben schon überfüllt. So blieb uns allein die Möglichkeit, am Ostersonntag direkt vor dem Gottesdienst zu proben. Die Noten hatte sie mir bereits vorab geschickt. Um 8 Uhr trafen wir uns in der Kirche, beide 150% vorbereitet, damit wir genug flexibel aufeinander reagieren können. Kleine “Pannen” sind bei den vielen komplexen Abläufen immer möglich. Es ist eben “live”… Zudem hatte ich ein paar Änderungswünsche bei einem Stück, damit Geige und Orgel mehr Musikdialog führen können, und es klappte sehr gut! Da wir eher meditative Stücke spielten, wählte ich noch eine rassige Orgeltoccata für den “Ausgang”, die leise beginnt und wie eine Rakete in rasendem Tempo und crescendo wie ein Wunder “abhebt”. Noch kurz vor dem Gottesdienst eilte Reto Studer auf die Empore, um uns zu helfen: ein Fotoshooting für sein Blog. Haben wir auch noch rechtzeitig geschafft:

A propos “Ausgangsstück”: Alle blieben sitzen, und der spontane Applaus am Ende des Gottesdienstes freute uns beide sehr! Johanna fuhr dann gleich weiter nach St. Gallen: zur Vorprobe und zum Nachmittagskonzert am Dom.

Für einen Taufgottesdienst hat Claire Schmid eine Bearbeitung des Liedes “Bi de Taufi…” für Klavier und Geige des Grütener Organisten und Komponisten Dieter Fuchs vorgeschlagen. Es klingt schön und erfrischend groovig. Wir treffen uns bald, um es durchzuspielen. Am 19. April ist der nächste Taufgottesdienst, und so gibt es schon bald Gelegenheit, das bekannte Lied in neuem Gewand zu präsentieren. Claire ist eine sehr gute Laienmusikerin, singt, spielt Blockflöten und Geige, hilft und macht unermüdlich mit. Sie hat sogar eine Blockflötenschule herausgegeben. Ich freue mich riesig auf die baldige Probe mit ihr.

Im Mai dann gastieren der Musikverein Kemptthal (Muttertag) und als Solisten unser Diakon Severin Frenzel, Cello (Himmelfahrt), und Vitalij Vosnjak, Saxophon (Konfirmationen), bei uns. Nächste Woche werde ich zum ersten Mal mit den Unti-Kindern bei unserer Katechetin Susanne Schnitzler singen.

Am Sonntag, den 5. Juli, lade ich alle Interessierten herzlich zu einem Offenen Singen ein.

Eine provisorische Planung für das ganze Jahr 2015 steht schon, und ich freue mich auf meine vielfältigen Musikaufgaben in Lindau.

Natasa Zizakov, Organistin und Chorleiterin der Kirchgemeinde Lindau (zizakov[at]kirche-lindau.ch)

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